Bundesweit erster Erinnerungsgarten der Kulturen auf dem Bergfriedhof in Heidelberg eröffnet

Die Stadt Heidelberg hat gemeinsam mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG sowie den örtlichen Friedhofsgärtnereien auf dem Bergfriedhof den bundesweit ersten Erinnerungsgarten der Kulturen errichtet. Unter dem Motto „Miteinander leben – miteinander gedenken“ vereint das Gemeinschaftsgrabfeld Grabstätten für Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen oder Religionen. Am 06.12.2018 wurde die neue Anlage von Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner und dem Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG, Alfons Seiterle, offiziell eingeweiht und ihrer künftigen Bestimmung übergeben. 

Die Idee für dieses Grabfeld entstand vor dem Hintergrund, dass sich heute immer mehr Menschen aus anderen Ländern und Kulturen sowie Angehörige anderer Glaubensrichtungen, die seit vielen Jahren in unserer Gesellschaft verwurzelt sind, eine Grabstätte in Deutschland wünschen, anstatt sich in ihren früheren Heimatländern bestatten zu lassen. „Wir möchten aber auch die Menschen ansprechen, die besondere Vorlieben für bestimmte Länder haben, wie zum Beispiel diejenigen, die ihre Urlaube ihr Leben lang in Italien oder der Türkei verbracht haben“, erklärt Alfons Seiterle.

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Der Erinnerungsgarten der Kulturen ist etwa 2.200 Quadratmeter groß und ist in unterschiedliche Bereiche eingeteilt, die verschiedene Kulturen und Stile verkörpern: alpin, mediterran, asiatisch, orientalisch und europäisch. Während im asiatischen Bereich beispielsweise Bambus, japanische Ahornsorten, Rhododendron und Azaleen gepflanzt wurden, gibt es im mediterranen Bereich winterharte Olivenbäume und Palmen. Der orientalische Bereich wendet sich unter anderem auch an Muslime, die nicht nach strengen religiösen Vorgaben leben und auch die Begräbnisregeln etwas lockerer auslegen. Dennoch sind die Gräber in diesem Bereich in Richtung Mekka ausgerichtet. Geschwungene Wege, die sich durch das Gräberfeld schlängeln, Sitzgelegenheiten sowie ein Pavillon, der für Lesungen oder kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann, lassen das Grabfeld wie eine liebevoll angelegte Parklandschaft wirken – eben ein Erinnerungsgarten der Kulturen.

Der Erinnerungsgarten der Kulturen bietet Platz für Erd- und Urnengräber, bei denen die Namen der Verstorbenen an vorhandenen Grabsteinen angebracht werden. Zusätzlich werden auch Urnenbeisetzungen unter der großen Fichte oder an einem Trockenbachlauf angeboten. Die einzelnen Grabstätten verschmelzen ohne Einfassungen dezent mit der Rahmenbepflanzung.

Das komplette Gräberfeld wird dauerhaft von einer Arbeitsgemeinschaft der örtlichen Friedhofsgärtnereien gepflegt. Der Pflegeaufwand, der für viele Angehörige heutzutage oft belastend ist, entfällt dadurch. Damit richtet sich das neue Bestattungsangebot vor allem an die Menschen, die sich ein persönliches Grab in gepflegter Umgebung wünschen, sich aber beispielsweise alters-, gesundheits- oder berufsbedingt nicht um die Grabpflege kümmern können oder wollen.

Um das für die komplette Nutzungs- bzw. Ruhezeit der Grabstätte sicherzustellen, wird beim Graberwerb ein Dauergrabpflege-Vertrag mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die vereinbarte Dauergrabpflege werden bei Abschluss des Vertrages an die berufsständische Organisation mit Sitz in Karlsruhe gezahlt. Sie legt diesen Betrag nach strengen Anlagerichtlinien an und zahlt jährlich die erbrachten Leistungen der Friedhofsgärtner. Eventuelle Folgekosten, die sich im Laufe der Jahre ergeben, werden mit den erwirtschafteten Kapitalerträgen gedeckt. Damit bleiben die Angehörigen des Verstorbenen über die komplette Laufzeit nicht nur von aufwändigen Pflegearbeiten, sondern auch von jeglichen Nachzahlungen aufgrund von Preissteigerungen oder Steuererhöhungen verschont. Die Genossenschaft kontrolliert regelmäßig die Arbeiten der Friedhofsgärtner sowie den Pflegezustand der Grabfelder. So bekommt jeder Grabnutzer die Garantie, dass die Grabstätten auf Dauer gepflegt werden.

Der Erinnerungsgarten der Kulturen wurde erstmals auf der Gartenschau 2015 in Mühlacker vorgestellt und zählte dort zu einem der Höhepunkte der Ausstellung. Ideengeber für das damalige Pilotprojekt war Friedhofsgärtner Christof Hilligardt aus Pforzheim, der auch für das Konzept und die fachliche Umsetzung auf dem Bergfriedhof in Heidelberg verantwortlich ist.

Informationen zum Erinnerungsgarten der Kulturen erhalten Sie bei der Friedhofsverwaltung der Stadt Heidelberg, Tel. (0 62 21) 58-28103 sowie bei den örtlichen Friedhofsgärtnereien.