Badische Friedhofsgärtner präsentieren
Natur-Gräberfeld für Friedhöfe 

Bei der Landesgartenschau in Lahr können sich die Besucher auf eine echte Premiere freuen: Mit ihrem Natur-Gräberfeld stellen die badischen Friedhofsgärtner erstmals ein neues Konzept für naturnahe Trauerorte inmitten bestehender Friedhöfe vor. Mit diesem Projekt will die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG zusammen mit ihren Mitgliedsbetrieben neue Bestattungsangebote schaffen und gleichzeitig die gesellschaftliche Bedeutung und die ökologische Funktion der Friedhöfe in der badischen Region steigern.

„Friedhöfe sind nicht nur die letzte Ruhestätte unserer Verstorbenen. Sie bilden vielerorts ökologisch wichtige Inseln im urbanen Raum und sind als Grünfläche für Pflanzen und Tiere ein wichtiger Lebensraum. Diesen Gedanken greifen wir mit unserem naturnahen Gräberfeld auf“, erläutert Christof Hilligardt aus Pforzheim, der den Ausstellungsbeitrag der badischen Friedhofsgärtner in Lahr konzipiert hat. Hinter der Idee steht vor allem die wachsende Beliebtheit, die naturnahe Bestattungsformen in den vergangenen Jahren erleben. Häufig wird diese Möglichkeit aber nicht auf bestehenden Friedhofsflächen, sondern meist nur als Waldbestattung abseits von Wohngebieten angeboten. „Wir beobachten, dass Grabbesuche für viele Angehörige und Freunde in diesen Fällen nur schwer möglich sind. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr freie Flächen auf den Friedhöfen, so dass sich der Pflegeaufwand für die Friedhofsträger stetig erhöht“, so Hilligardt. Mit ihrem naturnahen Gräberfeld wollen die badischen Friedhofsgärtner diese Aspekte vereinen. „Wir schaffen gut zu erreichende sowie würdevolle Bestattungsorte für naturverbundene Menschen, nutzen dabei die bestehende Infrastruktur der Friedhöfe und bieten Kommunen zudem eine Möglichkeit, leerstehende Friedhofsflächen attraktiv und effizient zu gestalten.“

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Das Natur-Gräberfeld auf der Landesgartenschau in Lahr erstreckt sich über eine Fläche von rund 1.800 Quadratmeter. Als zusammenhängendes Bestattungsareal gestaltet, zeichnet sich die Anlage vor allem durch einzelne ökologisch wertvolle Bereiche aus. Dazu zählen unter anderem Blumenwiesen, die mit ihrer jahreszeitlichen Blühabfolge einen wichtigen Lebensraum für Honig- und Wildbienen darstellen, Trockensteinmauern, Totholzbereiche, heimische Bäume und Gehölze oder das Insektenhotel. „Das naturnahe Gräberfeld leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität – auch im Hinblick auf das massive Insektensterben“, unterstreicht Christof Hilligardt. Die Grabstätten der Verstorbenen fügen sich harmonisch in die jeweiligen Bereiche ein und verschmelzen ohne Einfassungen mit der vielfältigen Bepflanzung. Anonyme Beisetzungen werden nicht angeboten. Unterschiedliche Grabmale wie beispielsweise Baumscheiben oder Findlinge weisen auf die letzte Ruhestätte der Verstorbenen hin. Auf diese Weise entsteht eine würdevolle Atmosphäre von Ursprünglichkeit und Natürlichkeit.

Anders als bei reinen Waldbestattungen werden in einem naturnahen Gräberfeld neben Urnen- auch Erdgräber angeboten. „Damit machen wir diese Bestattungsform auch für die Menschen zugänglich, die sich eine Sargbestattung zum Beispiel aus religiösen Gründen wünschen“, betont Hilligardt. Durch die gärtnerische Dauergrabpflege werden die Angehörigen von aufwändigen Pflegearbeiten am Grab oder unerwarteten Folgekosten entlastet.

Auch wenn es sich bei dem Natur-Gräberfeld in Lahr derzeit noch um ein Pilotprojekt handelt, so gibt es bereits erste Kommunen in Baden, die das Angebot auf ihren Friedhöfen in naher Zukunft umsetzen werden.

Der Ausstellungsbeitrag der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG auf der Landesgartenschau befindet sich im Seepark direkt neben der architektonisch imposanten Ortenaubrücke. An den Wochenenden und Feiertagen sind fachkundige Friedhofsgärtner vor Ort und beantworten die Fragen der Gartenschaubesucher.