Parkähnlich gestaltete Grabfelder verwandeln das Bild der Friedhöfe

Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl von Urnenwänden, Rasengräbern oder namenlosen Bestattungen gestiegen ist, lässt sich auf den Friedhöfen ein neuer Trend erkennen: Abwechslungsreich gestaltete und von Gärtnern gepflegte Gräberfelder verdrängen immer häufiger nüchterne und trostlose Bestattungsflächen mit pflegefreien Gräbern. In kleinen aber sichtbaren Schritten verändert sich so das Bild vieler Friedhöfe in der Region.

Mit der neuen Form der Bestattung richten sich die örtlichen Friedhofsgärtner gemeinsam mit den kommunalen Friedhofsverwaltungen an die Menschen, die sich nicht jahrzehntelang um das Grab eines Angehörigen kümmern können oder wollen. Dafür werden freie Friedhofsflächen in parkähnliche Grabfelder mit Sarg- und Urnengräber umgewandelt, die dauerhaft von Friedhofsgärtnern gepflegt werden. „Diese gärtnergepflegten Felder sind deutlich liebevoller gestaltet als andere pflegefreie Grabarten wie zum Beispiel Rasengräber oder Urnenwände und trotzdem müssen sich die Angehörigen nicht um die Grabpflege kümmern“, erklärt Thorsten Baege von der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG.

Nicht nur von Urnenwänden oder Rasengräber, sondern auch vom allgemein typischen Friedhofs-bild mit Gräbern in Reih und Glied heben sich die gärtnergepflegten Grabfelder deutlich ab. Sanft geschwungene Linien und eine vielfältige Bepflanzung mit Stauden, Gehölzen und farbenfrohen Saisonpflanzen lassen die Anlagen eher wie Landschaftsgärten wirken. „Wir wollen Plätze schaffen, an denen sich die Angehörigen gerne aufhalten und an den Verstorbenen denken können“, so Baege. Auf vielen Friedhöfen werden die gärtnergepflegten Grabfelder auch als Garten der Erinne-rung, Garten der Ruhe oder als Parkgrabfeld bezeichnet.

Die jeweiligen Gräber sind ohne sichtbare Grenzen in die Anlage eingebettet und verschmelzen mit ihrer Umgebung, ohne ihren individuellen Charakter zu verlieren. Der genaue Ort der Grabstelle wird von einem Grabstein markiert. Die jeweiligen Bestattungsangebote sind vielfältig und örtlich unterschiedlich: Üblich sind meist Sarg- bzw. Urnengrabstätten mit einem individuellen Grabstein, Urnengrabstätten an einem Baum, bei denen die Namen der Verstorbenen auf Findlingen angebracht werden oder Urnengemeinschaften mit einem gemeinschaftlichen Grabmal. Anonyme Bestattungen sind nicht möglich. Das kommt dem Wunsch vieler Angehöriger nach einem konkreten Ort der Erinnerung entgegen.

Sich ausschließlich auf die Trauer und das Gedenken besinnen zu können, ohne an die Grabpflege denken zu müssen, zählt zum Konzept der gärtnergepflegten Grabfelder. Die dauerhafte Pflege wird von den vor Ort tätigen Friedhofsgärtnern übernommen. Die Gesamtkosten fallen für den Grabnutzer geringer aus, weil die Grabpflege im gärtnergepflegten Grabfeld im Vergleich zum Einzelgrab günstiger ist. Um das für die komplette Nutzungs- bzw. Ruhezeit der Grabstätte sicherzustellen, wird beim Graberwerb ein Dauergrabpflege-Vertrag mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner eG abgeschlossen. Die berufsständische Organisation garantiert damit die langfristige Grabpflege zum festen Preis und ohne Folgekosten für die Hinterbliebenen. „So müssen sich die Angehörigen um nichts kümmern und haben zu jederzeit einen liebevollen Platz für ihre Trauer“, erläutert Thorsten Baege.

Auf den Friedhöfen in der badischen Region gibt es mittlerweile rund 370 gärtnergepflegte Grabfelder. Dort, wo es schon seit einigen Jahren eine von Gärtnern betreute Anlage gibt, ist die Zahl der namenlosen Bestattungen seitdem gesunken – so zum Beispiel auf den Hauptfriedhöfen in Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Freiburg oder Pforzheim. Aber auch in kleineren Orten haben sich die gärtnergepflegten Grabfelder als Alternative zu Urnenwänden und Rasengräbern durchgesetzt. Das hat vielerorts zu deutlichen Veränderungen geführt: Statt starrer Grabreihen und karger Rasenflächen prägen immer häufiger parkähnliche und blühende Erinnerungslandschaften das Bild der Friedhöfe.